Nachdem die erste Welle der Erregung über das Wahlergebnis durch die sozialen Netzwerke geschwappt ist und die moralisch-saure Empörung abgeklungen ist, sollte man einige nüchterne Gedanken zum steirischen Ergebnis wälzen:

  • Die SPÖ, genauer gesagt die Sozialdemokratie als solches, wird sich etwas Konkretes überlegen müssen. Sonst wird sie der Law-And-Order Agitation der freiheitlichen Partei auf Dauer nicht Paroli bieten können.
  • 22 Jahre “Österreich zuerst”- Volksbegehren begeht man 2015, 22 Jahre in denen die Volksparteien Zeit gehabt hätten, sich ein Gegenkonzept zur freiheitlichen Position zu bauen. Die Sozialdemokratie (aber nicht nur sie, selbiges gilt auch für die ÖVP) sollte sich einen “dritten Weg der Integration” überlegen, einen Weg, der weder rechte Polemik noch linke Romantik ist, sonder einfach nur menschlich. Natürlich wird ein solcher Prozess schwer durchzustehen sein, gerade gegen eine populistisch-polemische bis bösartige FPÖ und eine hypersensible (Partei-) Linke.
  • Politik wird immer mehr zum Event. Keine neue These, aber dennoch zutreffend: Ereignet sich ein Erdrutsch (egal in welche politische Richtung), schlagen auch die Emotionen dementsprechend aus. Bleibt quasi alles beim Alten (siehe NRW13) herrscht Wehklagen darüber vor, dass sich nichts ändert. Typisch Österreich: Es soll sie was ändern, aber ja alles gleich bleiben.
  • Die FPÖ kann durchaus als Indikator für die Sorgen und Probleme (Integration, Arbeitsmarkt, Sicherheit,..) der Bevölkerung angesehen werden, wobei das Ausländerthema viele angesprochene Bereiche zu überlagern scheint. Beispielsweise “Ausländerklassen” als Chiffre für die generelle Bildungspolitik. Natürlich kann man jetzt durchaus diskutieren, ob die vielfach gelagerten Ängste vieler FPÖ-WählerInnen erst durch die FPÖ geschürt wurden oder ob sie vorhanden waren und von der FPÖ politisch genutzt werden. Fakt bleibt dennoch: Diese Ängste, so irrational sie auch sein mögen, sind vorhanden und müssen daher ein politisches Thema sein.
  • Auch der ÖVP unter Miterleben wachsen die Bäumen nicht in den Himmel, nur von Podien priesterartig Modernität vorzubeten und sich dabei von den eigenen Funktionären feiern zu lassen hat noch keine Partei modern gemacht. Bei einer Wahl, in der Wirtschaft und Arbeitsmarkt ein gewichtiges Wahlmotiv waren, dermaßen abzustürzen ist ebensowenig ein Ruhmesblatt für die VP wie die 23 % in der schwarz regierten Stadt Graz. Aber die bürgerliche Kraft kann im urbanen Raum scheinbar nicht wirklich reüssieren.
  • Aus kommunikativer Sicht ist es für mich unverständlich, dass immer noch so viele Menschen auf jede noch so plumpe Provokation der Freiheitlichen hereinfallen. Das Cover der Parteizeitung mit Videospielfigur und — steirischer Ort— wurde, gerade in linken Zirkeln, dermaßen oft geteilt, dass es beinahe beängstigend war. Dabei wird immer wieder die Bildsprache und der Inhalt der FPÖ direkt übernommen und in Echokammern verteilt, die unter normalen Umständen nie etwas davon mitbekommen hätten. Klarer Sieg für die freiheitliche Kommunikationabteilung.
  • Die Kommunikation der Reformpartnerschaft hat scheinbar versagt, es fehlte scheinbar die Zukunftsperspektive und der Grund warum gespart beziehungsweise reformiert werde muss. Im Nachhinein ist man allerdings immer schlauer
  • Der Erfolg der FPÖ und der Misserfolg von SPÖ und ÖVP sind auch zu einem großen Teil auf fehlende Mobilisierung zurückzuführen. Für die Reformpartnerschaft war klar, dass die Mehrheit in trockenen Tüchern ist, entsprechend gering war die Bereitschaft der Anhänger zur Urne zu gehen. Auch das nicht vorhandene Rennen um den Landeshaushalt