Angst scheint ja mittlerweile ein treibendes Element österreichischer Innenpolitik zu sein. Anlässlich des Ergebnisses der Steirischen Landtagswahl analysierte beispielsweise der grüne EU-Parlamentarier Michel Reimon die Abstiegsangst als Hauptmotiv für das Erstarken der Freiheitlichen Partei bei den vergangenen Wahlen. Deren Parteichef H.C. Strache nutze selbst die Amokfahrt von Graz für das Schürren der Angst vor Ausländern (in diesem Fall vor religiös-fanatischen Bosniern)

Und scheinbar änderten auch die NEOS ihre Kommunikationsstrategie in ebendiese Richtung. Erneuerung als politisches Allzweckvehikel hat scheinbar ausgedient, dafür wird Angst das zentrale Element pinker politischer Kommunikation. War der Fokus lange Zeit auf kritische ÖVP-WählerInnen, Start-Ups, Kreative und einen Teil der Grünen gerichtet, so scheint man sich eher auf das Abfischen des Protestpotenzials zu konzentrieren. Quasi vom Post- Materiellen Performer hin zum verängstigen Bürger.

Abgesehen von der schon fast inflationären Hashtag-Orgie von Parteichef Strolz werden die Aussagen der Pinken oft von einer hyperventilierenden Panikmache getrieben. Sei es jetzt die Kontoöffnung (Überwachungsstaatphantasien ala 1984 inkl. 1984.neos.eu Domain) oder das schwankende Pensionssystem, überall steht der Weltuntergang kurz bevor. Nicht das alles in eitler Wonne wäre, es ist eine Menge faul im Staate Österreich, aber die Vehemenz, mit der die NEOS einen Untergang herbeisehnen, ist beachtlich.

Dabei verabschieden sich die NEOS just jenem Markenkern, der sie 2013 in den Nationalrat gebracht hat: Erneuerung hat nach zwei Jahren Mühen der Ebene an Kraft verloren und angesichts der jüngsten Wahlschlappen braucht die Bewegung einen neuen Schub. In diesen zwei Jahren gelang es (trotz angeblich großem Agentur Background) nicht wirkliche Themenblöcke einzuschlagen. Und mit dem heimlichen Überthema Liberalismus ist in Österreich keine Wahl zu gewinnen, dementsprechend taucht der Begriff im Marketingsprech der NEOS auch nicht auf.

Auch die Rolle von Parteichef Strolz steht dabei auf dem Prüfstand. Ein hyperaktiver Macher ohne Aufgabe ist vor allem eines: übertrieben aufgezogen. Ständig in Bewegung und scheinbar rastlos ist er immer kurz vorm Überdrehen, hysterisch ist phasenweise ein Hilfsausdruck.

Strolz framt selbst die unangenehme Causa um die Betriebsratsgründung im NEOS- Parlamentsklub folgerichtig als „Schmutzkübelkampagne der großenkoalitionären Sozialpartnerschaft“ gegen das erfolgreiche Projekt NEOS. Ähnliches hatte man zuletzt vom Wiener BZÖ gehört und es ist ein uraltes freiheitliches Kommunikationspuzzleteil; Die Mächtigen gegen Uns, die Kämpfer gegen für den Bürger.

Alles in allem erinnert die Schiene an die freiheitliche Politik in den 90iger Jahren: Kampf gegen die Politbonzen beziehungsweise „die da oben“, Matthias Strolz als Opfer sinistrer sozialpartnerschaftlich- großkoalitionärer Kräfte, (Erinnerungen an Haiders: „SIE sind gegen IHN, weil ER für EUCH ist“ werden wach) und generell Angst vor dem nahenden Zusammenbruch. Lediglich die Ausländer-Folie fehlt für ein Duell mit Straches Freiheitlichen noch. Auch die Bestellung von Tal Silberstein für die Wien Kampagne und entsprechende Aussagen von Strolz deuten klar in Richtung Populismus und radikales Anti-Establishment.