Stronach ist Polit-Entertainment, dies sollte seit Montag endgültig klar sein. Die Top Quote und die rege Aktivität in den sozialen Medien sind Beweis genug. Nichtsdestotrotz war das n Sommergespräch erwartungsgemäß fad und konfus-inhaltsleer (bis auf weitere Einblick in das seltsame Weltbild- Stichwort Frauen beziehungsweise Todesstrafe – des Millionärs) blieb, so inhaltsleer, dass sich Politikexperte Peter Filzmaier auch bei seiner ZIB2 Analyse schwer tat. So konfus und ungeplant Stronachs Auftritt im Sommergespräch verlief, so planstabsmässig durchgeplant war der darauffolgende Auftritt Lopatkas in der ZIB2.

Daher sollte sich der Fokus eher auf das “Duel” zwischen ZIB2-Anchorman Armin Wolf und ÖVP-Klubchef Reinhold Lopatka richten. Den im Gegensatz zum Sommergespräch gab es hier spannende Aspekte zu beachten.

Die Ausgangslage sollte klar sein, daher nur kurz eine Zusammenfassung:  Das “Team” Stronach hat mit einem Team nicht mehr viel gemeinsam und löst sich sukzessive selbst auf. Nutznießer dieser Zerfallserscheinung ist die ÖVP und deren “Chefeinkäufer” (Zitat Kronen Zeitung) und Klubobmann Reinhold Lopatka, der mit Kathrin Nachbauer und Rouven Ertlschweiger zwei weitere (nach Marcus Franz und Georg Vetter) TS- Abgeordnete in den ÖVP Klub holte.

Nun wendet man vermutlich zurecht ein, dass es mutig ist sich in dieser Situation in einer relevanten polit-medialen Arena mit einem der profiliertesten journalistischen Gladiatoren zu messen. Ist es wohl auch. Zugleich ist es aber auch ein Lehrstück in politischer Kommunikation, den Lopatka baute seine (defensive) Argumentation strickt an der Message Box auf.

Was ist die Message Box?

Die Message Box ist ein bekanntes, aber sehr effektives Tool der politischen Kommunikation, um sich auf Debatten vorzubereiten oder Kampagnen aufzubauen. Bei Suzanne Hawkes findet sich eine kurze Einführung zur Macht der Message Box , weiterführendes auch in Thomas Hofer (2005) Spin Doktoren in Österreich: die Praxis amerikanischer Wahlkampfberater. (S. 58-60)

Message Box nach Suzanne Hawkes

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Für die vorliegende Diskussion im TV waren die Felder  THEM on US sowie US on US die Relevantesten.

Lopatka war, aufgrund der Ausgangslage von Beginn an in der Defensive und musste  mit heftigen Attacken (=Fragen) Wolfs rechnen. Dementsprechend versuchten der ÖVP-Klubobmann und sein Team im Vorfeld mithilfe der Message Box das Gespräch abzuschätzen, was  keinen unüblichen Vorgang in einer Mediendemokratie ist. Bis auf eine (bezeichnenderweise die letzte) Frage war klar zu erkennen, dass jede Frage erwartet worden war.

In die Message Box übersetzt: THEM on US, also was wird Armin Wolf über Uns/Mich sagen, was werden die Vorwürfe sein. Diese Fragepunkte kamen auf:

Die Frage nach dem Standard Interview vom 31.07.2015

– Ob Team Stronach WählerInnen wirklich die ÖVP unterstützen wollen, waren eigentlich WählerInnen Oppositionsunterstützter.

– Die “geholten” Abgeordneten stimmten faktisch gegen jedes ÖVP Gesetz, wie passt das mit dem Parteiprogramm zusammen?

– Der Vorwürfe von Fritz Plasser und anderen Medien, die Vorgehensweise schadet dem Parlamentarismus und richtet Kolleterallschäden an.

Diesen Fragen gegenüber stand: US on US, wir über uns. Was ist unsere Position in dieser Causa.

– Werde falsch zitiert, wusste es am Freitag nicht, da keine Gewissheit über den Wechsel, wollte nicht zur Verunsicherung beitragen

– Der/die WählerInn weiß es vor der Wahl nicht ob Stronach vielleicht in die Regierung kommt.

Die Kernaussage der Lopatka- Kommunikation: Wir (ÖVP) sind ein starker Klub, der jeden Tag stärker wird (Warnung?) und so sinnvoll für Österreich arbeitet. Wir arbeiten für Österreich und möchten es auch anderen nicht verwehren.

– Wir holen die kritische Stimmen an Bord und stärken damit auch unseren eigenen Klub, der Diskussionen aushalten muss.  Und arbeiten so weiter für Österreich. (3 mal)

– Alle anderen (SPÖ, Grüne, BZÖ-FPÖ) machen es auch, es soll nicht mit zweierlei Mass gemessen werden.

Entlang dieser Positionen entwickelte dann folglich dieses verbale Duell, indem sich Lopatka streng an die kommunikativen Vorlagen hielt und Wolf versuchte ihn aus der Fassung zu bringen.

Gegen Ende schaffte es Armin Wolf durch eine Abfolge von kurzen, schnellen Standardfragen Reinhold Lopatka zu Wien Wahl und Neuwahlen in Sicherheit zu wiegen um ihn dann mit der Schlussfrage “Was von dem was sie in den letzten 8 Minuten angekündigt oder ausgeschlossen haben wird morgen oder in paar Wochen nicht mehr gelten?” zu überraschen und kurz zu verunsichern. Eigentlich eine Trademark Technik (meistens abgeschlossen durch ein “Warum eigentlich?”) des ZIB-Anchormans Wolf, durch die sich Lopatka dennoch kurz aus der Ruhe bringen lies.  Aber auch das könnte man in Zukunft antrainieren…