Ich mag Jan Böhmermann. Ich mochte schon Roche und Böhmermann und sein NEO Magazin auf ZDF NEO zu unmöglicher Zeit. Seinen Sidekick William Cohn schätze ich schon bei Terra Incognitat, bevor er als Birdman Imitator in Unterhose Böhmermann anmoderieren musste oder uns das Internet erklärte. Kurz: Das NEO Magazin Royale ist das einzige wöchentliche TV- Format, auf das ich mich schon Tage zuvor freue.

Dabei ist Böhmermann und sein NEO Magazin Royale weit mehr als ein wöchentlicher TV- Pflichttermin, es ist ein Musterbeispiel wie gut und satirisch sich ein öffentlich-rechtliches Format auf Twitter, Youtube und Facebook bewegen kann. Prism is a Dancer und die Kommentare Kommentier Show (der beste deutschsprachige Versuch des Mean Tweets Formats) sind für Social Media gemacht. Mit #varoufake ist Böhmermann nun sein (vorläufiges) Meisterstück gelungen.

Erfahrung mit den Guerilla Methoden des ZDF Moderators musste auch schon Stefan Raab machen, nun holte der Satiriker zum rundum Schlag gegen die gesamte politmediale Szene aus.

Sein Making Of zum (vielleicht ja, vielleicht nein) gefälschten Varoufakis-Jauch-Stinkefinger-Video schlug gerade in den sozialen Medien hohe Wellen, auch in der heimischen Twitteria. Mit lustvollem Furor wurde auf BILD und Günther Jauch hingedroschen, ihnen journalistische Kernkompetenzen abgesprochen und sich hämisch gefreut. Dass in der Social Media Rage oft nicht viel Raum Reflexion sowie Recherche bleibt und lieber in der ersten Emotion losgeschrien wird, ist kein neues Phänomen. (Die embedded Tweets diesbezüglich spare ich mir hier aus Respekt). Wieder einmal muss Armin Wolf als journalistischer Mahner ausrücken:

Am Ende hat es Böhmermann geschafft ein mediale Grundrauschen zu erzeugen, indem niemand mehr weiß, was Fake ist und was nicht. Vordergründig führte er satirisch- drastisch vor, wie leicht Massenmedien in unserer liberalen Gesellschaft nationale Reflexe bedienen können (Wehe jemand zeigt uns Deutschen den Mittelfinger, da hört sich der Spass auf) und diese auch reflexartig in sozialen Netzwerken gepusht werden. Die Redaktion des angeblich “wichtigsten deutschen Politiktalks” ist jedenfalls öffentlich bloßgestellt, ebenso wie die BILD Zeitung. Dass etablierte Journalisten und Medienprofis vom Satiriker Böhmermann die journalistische Grundregel “Check, Check, Doublecheck” derart brutal vorgeführt bekommen, schmerzt und schädigt deren Kredibilität. Schon schallt das Wort Lügenpresse wieder durch die sozialen Netzwerke.

Aber Böhmenmanns Medienschelte endet hier noch nicht, scheinbar spielend einfach lenkt er die bekannten Empörungsreflexe in die entgegengesetzte Richtung und suhlt sich in der aufgeheizten Ahnungslosigkeit der Medienprofis. Hier würde alten und neuen Medien etwas  Ruhe und Demut guttun, Empörung gibt es ohnehin schon genug im Netz. Und Empörung, das gefällt Böhmermann bekanntlich am besten.