Ganz ehrlich: Apples WWDCs müssen schwer durchzuhalten sein. Irgendetwas muss mit den Besuchern dieser Konferenzen nicht ganz richtig sein. Oder sie bekommen literweise Bier am Einlass. Anders ist das fast schon krankhaft-fretische Abfeiern jeder noch so kleinen Innovation nicht zu erklären. Fanboytum @ its best.

Aber dennoch muss man eines zugeben: es gab auf der diesjährigen WWDCs doch einige spannende und sinnvolle Neuerungen. iOS8 und MacOS Yosemite erscheinen mit einigen unerwarteten Features im Herbst für alle Apple Devices. Die mit Abstand am spannendsten Neuerung ist meiner Meinung nach Health und das dazugehörenden SDK (alleine die Tatsache, dass Apple seine Software einstückweit öffnet, ist eine kleine Evolution für sich).Eine App, die sich anschickt dem grassierenden Fitness- und Quantify-yourself-Trend Rechnung zu tragen. Health soll in der Vision Apples zur Zentrale für alle biometrischen Informationen und Bewegungen des Nutzers werden. Nicht umsonst wurde beim iPhone 5s der M7 Chip eingeführt, der es erlaubt, die Bewegungen des Users Akku-schonend zu tracken. Einen kleinen Vorgeschmack bietet etwa die Moves App. Nicht wenige (ich eingeschlossen) halten Bodytracking und die Speicherung biometrischer Daten nicht erst seit der NSA-Affäre für zumindest fragwürdig. Daher wird auch Apples Health einige datenschutzrechtliche Diskussionen auslösen (gerade im Datenschutz Mekka Deutschland), da kann Apple so viel auf Sicherheit schwören, wie sie wollen. Gerade die umfangreiche Öffnung durch das Healthkit für diverse Drittanbieter ist Chance und Risiko zugleich.

Health App:Möglichkeiten für Sportler, Risiken für Datenschützer.

Als begeisterter Sportler und Fitness-Fan warte ich schon seit Jahren auf eine vernünftige App, die alle wichtigen Informationen zusammenfasst. Aktuell benütze ich dafür mit Runtastic, Fitness Point, FoodDB und MyFitnessPAL mindestens 4 verschiedene Apps, die mehr oder eher weniger gut miteinander kommunizieren (meist nur über die jeweiligen Webapps). Hier wäre es großartig, diese Informationen in einer App übersichtlich aufgeschlüsselt zu bekommen. Genau hier möchte Apple ja mit dem HealthKit möglichst vielen Drittanbietern (wie eben Runtastic) einen Zugang in das ehemals geschlossene (Steve Jobs-) Mikrosystem verschaffen. Wie sehr hier die Sicherheit der Daten gewährleistet werden kann, davon wird ein Teil der Akzeptanz von Health abhängen. Bewegungsprofile und Gesundheitsinfos gelten nicht umsonst als hochsensible Daten, die es auch vor Dritt-App-Anbietern zu schützen gilt. Apple versprach zwar hoch und heilig genau das zu tun, nur weiß mittlerweile jeder, wie sicher Daten auf amerikanischen Cloud-Diensten sind

Die Health App ist klarer Hint auf die iWatch

Die Health App ist aber auch ein Hint auf die zunehmende Bedeutung von Fitnesstrackern und wearable Devices jedweder Art. Apple wäre nicht Apple, wenn die Health App nicht ein Vorbote für eine eigene Interpretation im wearable Bereich wäre. Die omnipräsente iWatch (Update: Apple Watch- das ommipräsente “i-“ scheint Geschichte zu sein)  klopft hier laut an, vermutlich wartet Apple nur noch ab, was die Konkurrenz in diesem Bereich auf die Beine stellen kann.

Die Möglichkeiten eines mit genauen, gyroskopischen Sensoren ausgestatteten und voll in die Health App integrierten Devices sind groß. Eine Mischung aus Fitnessjournal ala FitnessPoint und mitzählender App/Uhr wären gerade im Krafttraining ein immenser Motivationschub. Es bleibt zu hoffen, dass sich ein Drittanbieter dieser Idee annimmt.

Update:

Der Start von Health mag zwar vieles gewessen sein, aber geglückt war er nicht. Kaum kombatible Apps zum Start und dann noch die befürchteten Sicherheitslücken ( so durfte beispielsweise der Fitness und Ernährungstracker MyFitnesspal phasenweise sowohl Daten in die App einspeisen als auch Daten aus ihr lesen). Ab iOS 8.0.2 sollte es aber endlich so weit sein und die ersten Apps mit Health Unterstützung sollten demnächst im App Store auftauchen. Ob diese ähnlich viele Zugriffsrechte haben werden, darf bezweifelt werden.